Beteiligung schafft Mehrwert

Dieses Zitat von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Begründer der Genossenschaften, bildete das Motto des Themenabends am Mittwoch, 17. November 2021, im Heinrich Pesch Haus. Genossenschafts-Expert*innen informierten über die Geschichte, Strukturen und Finanzierung von Genossenschaften, bevor das Thema an Beispielen wie der zukünftigen Heinrich-Pesch-Siedlung diskutiert wurde. Auch hier soll es eine Baugenossenschaft geben.

„Genossenschaften sind eine Gesellschaftsform des Miteinander und erfahren derzeit eine große Renaisssance“, begrüßte die stellvertretende Direktorin des Heinrich Pesch Hauses, Ulrike Gentner, die rund 50 Teilnehmenden.

Gesellschaftsform des Miteinanders

Zu Beginn des Themenabends stellte Dr. Andrea Althanns die Geschichte und Funktionsweise von Genossenschaften vor. Die Rechtsanwältin war 29 Jahre im Genossenschaftsverband Bayern e.V. tätig, davon zehn Jahre als Leiterin der Rechtsabteilung. „Genossenschaften wurden im 19. Jahrhundert in Deutschland als Reaktion auf gesellschaftliche und ökonomische Veränderungen entwickelt“, sagte die Referentin. Die Genossenschaften gehen auf Friedrich Wilhelm Raiffeisen zurück.

„Der Zweck einer Genossenschaft ist die Förderung ihrer Mitglieder. Dies kann im wirtschaftlichen, aber auch sozialen oder kulturellen Bereich geschehen. Sie ist die einzige Gesellschaftsform, bei der gesetzlich der Mensch im Mittelpunkt steht“, nannte Althanns ein Merkmal von Genossenschaften. Jedes Mitglied ist sowohl Miteigentümer*in als auch Kunde der Genossenschaft. Scheidet ein Genosse aus, nimmt er maximal das eingezahlte Kapital mit, was zur finanziellen Sicherung und Beständigkeit der Genossenschaft beiträgt. Hinzu kommt eine engmaschige gesetzliche Prüfung.

Echte Alternative zur Schaffung von Eigentum

Ein weiterer Vorteil von Genossenschaften ist der „große Bestandsschutz der Mitgliedschaft“, ein Ausschluss ist nur in Ausnahmefällen möglich. „Genossenschaften sind wohl die stabilsten Gesellschaftsformen, die wir haben. Außerdem können sie durch das lebenslange Wohnrecht eine echte Alternative zur Schaffung von Eigentum sein“, fasste sie ihre Ausführungen zusammen. Mit Blick auf die Probleme am Wohnungsmarkt sind Genossenschaften für die Expertin „aktueller denn je“. Stand Ende 2020 gab es in Deutschland 1.800 Wohnungsbaugenossenschaften mit zwei Millionen betreuter Wohnungen.

Neugründungen sind komplex

Michael Schurich, ehemaliger Vorstand der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Speyer eG und Vorstand der Baugenossenschaft Ladenburg eG, teilte dann seine Erfahrungen aus der Praxis mit den Teilnehmenden. Wenn sich heute eine Baugenossenschaft gründet, sei das eine sehr komplexe Angelegenheit und zudem aufgrund der hohen Baukosten sehr teuer. „Jeder Baugenosse muss einen relativ hohen Anteil zahlen, hinzu kommen die Miete und das Darlehen, damit es sich wirtschaftlich trägt“, verdeutlichte er. Für Neugründungen zählte er zwei Wege auf: Einmal gründen Menschen eine Genossenschaft und suchen dann nach Grundstücken – dies sei ein sehr langer Weg und dauere im Schnitt acht Jahre bis zum Einzug. Die andere Möglichkeit ist, zunächst ein Objekt zu bauen und dann eine Genossenschaft zu gründen und nach Mitgliedern zu suchen.

Hohe Attraktivität von Genossenschaften

Christiane Steinmetz, Vorsitzende der Bürgerstiftung Pfalz und neue Vorständin der Zukunftsdorf eG, berichtete von einem sehr großen Interesse der Menschen an den zwei neu entstehenden Zukunftsdörfern in Marienthal und Kirrweiler. Diese Wohnprojekte seien als „Hilfe zur Selbsthilfe für Dörfer gedacht, um zukunftsfähig und resilient gegen den demografischen und Klima-Wandel zu werden“. Sie betonte die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Genossenschaftsrecht biete.

Baugenossenschaft für die Heinrich-Pesch-Siedlung

Anschließend stellte Dr. Michael Böhmer, wirtschaftlicher Berater der Heinrich-Pesch-Siedlung GmbH & Co. KG, den aktuellen Stand der Bauarbeiten vor: Derzeit laufen die Erschließungsarbeiten für die Siedlung westlich des Heinrich Pesch Hauses, in der rund 700 Wohnungen für 1.500 Menschen entstehen. „Alle Grundstücke werden im Erbbaurecht vergeben. Außerdem erarbeiten wir ein Sozialkonzept sowie ein ökologisches und Nachhaltigkeits-Konzept für die Siedlung“, nannte er Besonderheiten der Siedlung. Dazu passe auch eine Genossenschaft, die „unbedingt gewollt“ sei. Die Planer prüfen derzeit, ob diese in „kleiner Form“ oder für 25 Prozent der Wohnungen eingerichtet wird. Eine Genossenschaft für die gesamte Siedlung schloss Böhmer aus. „Wichtig ist, dass die Genossenschaft kein Sonderleben führt, sondern Teil der Siedlung wird“.

In der anschließenden Diskussionsrunde zeigte sich das große Interesse der Teilnehmenden am Genossenschaftsmodell und an der Heinrich-Pesch-Siedlung.

Der Themenabend fand in Kooperation der Katholischen Akademie Rhein-Neckar mit dem Katholischen Dekanat Ludwigshafen und der Heinrich-Pesch-Siedlung GmbH & Co. KG statt.

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